Diskriminierung alter Menschen

Seniorenbeirat der Stadt Kaiserslautern

Zum Thema "Diskriminierung alter Menschen" anlässlich AK-Sitzung am 28.1.03 (Landes - Seniorenvertretung)

Ein nicht ganz einfaches Thema. Ich möchte mit einigen Sätzen das Thema anreissen und zur Diskussion stellen. Fangen wir bei uns selbst an.

Der Seniorenbeirat / Kaiserslautern ist einer der wenigen Seniorenbeiräte im Land, der nicht von oben delegiert wurde, sondern frei in einer Wahlversammlung der Alten über 60 gewählt worden ist.

Diese Urwahl bringt natürlich einige Probleme mit sich, die anderen Seniorenbeirat völlig unbekannt sind. Die 20 Seniorenbeirat - Mitglieder sind sehr vielschichtig zusammengesetzt:

Sie sind Parteimitglieder, Mitglieder des Stadtrates, Mitglieder in sozialen Organisationen, Gewerkschaften, Kaufleute oder Industriemitarbeiter, Hausfrauen mit sozialem Engagement oder Freiberufler. Sie gehören unterschiedlichen Religionen an, oder auch anderen Seniorenvereinen.

Es bleibt nicht aus, dass Parteimitglieder versuchen die allgemeine Parteipolitik in den Seniorenbeirat hineinzutragen oder durch Veröffentlichungen die Andersdenkenden zu diffamieren.

Hiermit sind wir beim Thema:

Allgemeine Parteipolitik hat in einem Seniorenbeirat, der alle Alten vertreten soll nichts verloren. Es gibt dafür genug andere politischen Gremien in denen man sich raufen kann, Stadtrat, Gemeinderat etc.

Ein Seniorenbeirat ist das Parlament der Alten. Er ist nicht schwarz oder rot, nicht gelb oder grün, - Er ist nur weisshaarig (oder glatzköpfig)- weiter nichts. D.h., die Diskriminierung alter Menschen kann auch in unseren eigenen Reihen anfangen, wenn wir nicht für Klarheit sorgen. Das ist eine Hauptaufgabe der Vorstände von Seniorenbeiräten. Nichts ist schädlicher als Kämpfe der Mitglieder untereinander. Gegenseitige Achtung und Anerkennung des ehrenamtlichen Einsatzes des Einzelnen machen uns stark.

Wir haben genug andere Gegner in unser sog. "modernen Gesellschaft"! z.B.. in der Werbewirtschaft

Werbemanager gehen heute ohne Hemmungen in die Öffentlichkeit mit der Aussage: "Wir bewerben nur die 19-49 jährigen, die lassen sich noch überzeugen und reagieren auf unsere Fernsehspots" Ist das Dummheit oder schon Demagogie? Entscheiden Sie selbst! Wenn Werbespots sich einer deutschen Kloakensprache bedienen, wie sparen ist geil oder ich bin doch nicht blöd oder, um modern zu erscheinen, sich einer englischen Gossensprache bedient, oder wenn alte Leute als dümmlich, senil, als Biersäufer, die nur tanzen und feiern wollen dargestellt werden, dann wundert es nicht, dass alte Menschen auf solche Werbespots nicht reagieren. Auch Werbeaussagen wie "Mit einem Wisch ist alles weg" überzeugen keine ältere Hausfrau mehr. Man muss sich wirklich fragen, ob deutsche Industriemanager, die Milliarden für Werbung ausgeben, noch wissen wofür sie eigentlich ihr Geld ausgeben. Wie lange soll das noch gut gehen, wenn bis zu 75% des Verkaufserlöses bei einzelnen Erzeugnissen für dümmliche Werbung ausgegeben wird? Nur bei Amerika abzuschreiben ist zu wenig, um deutsche Produkte zu verkaufen.

Aber Werbung kann auch gefährlich sein. Durch ständige Wiederholung wird das Unterbewusstsein angesprochen, dagegen kann man sich kaum wehren. Das was ältere Menschen schon fast als Körperverletzung empfinden, kann bei jüngeren ganz andere Wirkungen hervorrufen.

Warum gibt es eigentlich keine Werbung für Seniorenautos?
Warum gibt es keine Werbung für Senioren - Computer?
Fahren Senioren keine Autos?
Arbeiten Senioren nicht mit PC?

Das Wort "Senioren" ist in Deutschland schon so negativ belastet, dass es für eine Positive Werbeaussage gar nicht mehr taugt.

Hier zeigt sich die psychologische Wirkung von seniorenfeindlichen Werbespots. Ich brauche z.B. in einem Fernsehbeitrag zur Rentendiskussion im Vorspann nur 5 Sekunden zeigen, wie alte Leute sich auf Mallorca vergnügen und schon habe ich einen gewissen unterschwelligen Effekt erreicht. Nämlich die jüngere noch arbeitende Bevölkerung muss für die reichen auch noch zahlen, damit die gut feiern können. Das bleibt im Unterbewusstsein hängen. Die Gegenargumentation kaum.

Es ist aber nicht nur die Werbung bzw. ihre Manager, die Alte diskriminiert, es sind auch z.B. Bankvorstände, die in die Öffentlichkeit gehen mit der Aussage "Wir geben grundsätzlich keine Kredite an Rentner" Haben Alte eigentlich keine Sicherheiten mehr? z.B.. Häuser, Grundstücke etc. Diskriminierung dieser Art braucht wohl keinen weiteren Kommentar. Nur so viel, wer sich selbst Millionen Gehälter zahlt, eine Millionenvilla auf den Bahamas sein Eigen nennt und sich als Rentner noch der Betriebsrentenkasse bedienen kann, den sollten wir nicht für voll nehmen. Wenn ich als Bundesbahnmanager aber nur 2 Rollstuhlfahrer im Zug reserviere und die anderen auf den Bahnhöfen stehen lasse, dann wird es für uns Zeit, dass wir reagieren.

Fordern wir endlich von unseren Politikern ein, dass sie sich öffentlich gegen Bestrebungen solcher Wirtschaftsbosse stellen. Fordern wir auch an, das unser Grundgesetz hier angewendet wird: "Die Würde des Menschen ist unantastbar"

Bisher haben sie es noch immer nicht fertig gebracht, dass Verfallsdaten auf Arzneimittel lesbar sind, z.B., wie auf Milchtüten, oder dass Kleinschrift, häufig sogar grau unterlegt, bei Verträgen oder Bedienungsanleitungen verboten wird. Wir sollten nicht warten, bis ein Managermillionär auftaucht und verlangt, dass Ältere kein Anspruch auf lebensverlängernde Arzneimittel haben, damit die Probleme der Krankenkassen und Rentenkassen gelöst werden können.

Es gibt zu diesem Thema eine Menge Literatur und Ausarbeitungen von Parteien, Kirchen und Universitäten. Fordern wir deren Umsetzung in die Tagespolitik ein. Fangen wir doch bei unseren Landtagsabgeordneten an Wenn es sein muss bis zur Ethikkommision.

 

Diskriminierung

Was ist Diskriminierung?

Ungleichbehandlung  Benachteiligung u.a. von älteren Mitmenschen:

Im § 1 des Grundgesetzes steht

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Auch die Würde der ALTEN Menschen

Deshalb keine Diskriminierungen

Und Benachteiligungen der älteren Generation

 

Wie und wo erleben wir Diskriminierung Älterer Menschen

  • Poststellen Banken Behörden werden aus angeblich Kostengründen geschlossen. Man mutet dem älteren Menschen lange Wege und Fahrten zu.  Bürger lange Wege und Fahrten zu.
  • Formulare Gebrauchsanleitungen und andere Schriftstücke werden unübersichtlich, in kleiner Schrift und unleserlich angeboten.
  • In Pflegeheim, Krankenhäuser herrscht oft sogar Gewalt gegenüber älteren Patienten vor. Patienten besonders ältere werden mit Medikamenten stillgestellt.
  • Ab einem bestimmten Alter werden ältere Menschen nicht mehr in Versicherungen aufgenommen oder erschwerte ärztliche Untersuchungen verlangt. Krankenversicherungen bei Auslandsreisen sind ab 70 Jahre nicht mehr möglich. Älteren Menschen werden oft keine Dispositionskredite mehr eingeräumt, gekürzt oder gestrichen.
  • Unendlich lange Gänge auf Flughäfen, fehlende öffentliche Toiletten und hier oft fehlende Haltegriffe, hohe Treppen in Bahnhöfen, zu kurze Grünphasen bei Fußgängerampeln, lockere Gehwegplatten, Straßenbahnen und Omnibusse mit hohen Einstiegen.
  • Arbeitgeber stellen keine älteren Bewerber mehr ein.
  • Fernsehen und Presse heizen oft eine Neiddiskussion an mit Schlagwörter wie:

"Alterslast, Überalterung, Rentnerschwemme, Pensionslasten, sozialverträgliches Frühableben, Generationenkonflikt, Wahlrechtsbegrenzung"

 

Gewalt gegen ältere Menschen

Zur Problemdefinition wird in der Forschung noch keine einheitliche Terminologie verwendet. Gewalt gegen Ältere ist ein Feld in dem sich unterschiedliche Disziplinen zuwenden.

(Sozialarbeiter, Mediziner, Juristen und andere Professionen wie Kriminologie, Gerontologie, Psychologie, Soziologie, Pflegewissenschaften und andere)

Diese bringen jeweils ihre eigenen Konzepte und Traditionen ein. Dennoch lassen sich bestimmte Tendenzen herausarbeiten. Kennzeichnend für Gewalt gegen Ältere ist vor allem ein Gewaltkonzept, das weit über das Alltagsverständnis von Gewalt heraus geht. Es beschränkt sich nicht auf die physische Ebene der Zwangsausübung, sondern schließt auch Formen der Gewaltausübung durch Unterlassen, Mißbrauch und Mißhandeln ein,

Augenfällige Formen sind:

  • Körperliche Beeinträchtigung
  • Übermedikamentierung
  • Psychische Mißhandlung
  • Beschimpfung
  • Einschüchterung
  • Drohung und Isolierung
  • Finanzielle Ausbeutung
  • Einschränken des freien Willens
  • Behinderung in der Ausübung der Zivilrechte (Wahl des Wohnortes, bei der Abfassung eines Testamentes
  • Alles in allem eine bewußte Verweigerung bestimmter Handlungen und passiv im bewußten Nichterkennen von Bedarfssituationen.

Insgesamt muß festgestellt werden, dass der Bereich Mißhandlung  und Vernachlässigung älterer Menschen im sozialen Nahraum schwer zugänglich ist. Es ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl von Fällen im innerfamiliären Bereich liegen und weder den Strafverfolgungsbehörden noch einschlägigen Hilfsinstanzen zur Kenntnis gelangen. Selbst die Forschung ist nur im begrenzten Umfang in der Lage Quantität und Qualität entsprechender Vorkommnisse zu erfassen,

Für eine solche Auffassung sprechen folgende Überlegungen:

  • Die einschlägigen Delikte werden per Definition im privaten Raum und hinter verschlossenen Türen bagatellisiert und dem Blick der Öffentlichkeit entzogen. Gewaltanwendungen in der Familie unterliegen zum Teil noch immer anderen Wertungen als solche in der Öffentlichkeit und untereinander fremden Personen
  • Während mißhandelte und vernachlässigte Kinder meist im Kindergarten. in der  Schule, in der Clique usw. regelmäßigen Augenkontakt haben. leben ältere Menschen relativ zurückgezogen in ihrem privaten Umfeld; damit sinkt die Chance der Entdeckung. Oft kommt noch das Schamgefühl älterer Menschen hinzu.
  • Scham und Schuldgefühle können auf Seiten der Gewaltbetroffenen wie der Gewaltausübenden dazu führen, dass keine Hilfe gesucht wird und die den Gewalthandlung zu Grunde liegender Probleme gegenüber Dritten möglichst verdeckt werden.
  • Opfer von Mißhandlung, und Vernachlässigung fürchten die ",Nebenfolgen" einer Offenlegung der Ihnen widerfahrenen Gewalt bisweilen mehr als den Fortbestand der Beziehung zu der(n) gewaltausübenden Person(en). Zu diesen Nebenfolgen gehören vor allem der Verlust sozialer Unterstützung und sozialen Beziehungen (oftmals inklusive der Beziehung zu der gewaltausübenden Person), der Verlust des privaten Wohnumfeldes und die Übersiedlung in eine Einrichtung der stationären Altenhilfe, schließlich auch befürchtete Repressalien seitens des Gewaltausübenden oder seines Umfelds.
  • Gesundheitliche Beeinträchtigungen, insbesondere Dementielle Erkrankungen und Einschränkungen der Kommunikationsfähigkeit und der Mobilität, machen es für Gewaltbetroffene schwer, wenn nicht gar unmöglich, selbstständig Hilfe zu suchen und ihre Gewalterfahrung zu schildern. Gerade die mutmaßlich stark gefährdete Gruppe der dementen Hochbetagten steht für polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Vernehmungen nur in beschränkten Umfange zur Verfügung. Demetiell erkrankte Personen und solche die an starken Beeinträchtigungen ihrer kommunikativen Fähigkeiten wie Taubheit, Beeinträchtigungen der Sprache nach einem Schlaganfall leiden, sind als Zeugen als deren kommunizierten Inhalte als auch deren Verläßlichkeit oftmals nur schwer zu erschließen bzw. zu beurteilen sind.
  • Krankheitsfolgen und Erscheinungsprozesse von Alterungsprozessen sind vielfach nicht eindeutig von Mißhandlungs- und Vernachlässigungssymptomen zu unterscheiden; Gewalteinwirkungen werden bei multimorbiden Personen nicht bemerkt, da sie quasi im Gesamtbild der Krankheitssymptomatik "verschwinden" bzw. "untergehen"
  • Folgen von Selbst-Vernachlässigung, sind vielfach schwer von "Fremdeinwirkung' zu unterscheiden.
  • Besonders im Bereich der emotionalen und verbalen Aggression und der psychosozialen Vernachlässigung fehlt es an körperlichen oder Verhaltensindikatoren, welche sichere Schlüsse auf das Vorliegen von Gewalterfahrungen zuließen. Es fehlt Gewaltbetroffenen oft an Wissen über verfügbare Hilferessourcen.
  • Mitarbeiter von Sozial diensten und Behörden und anderen Hilfseinrichtungen, Ärzte, Pflegende und auch Strafverfolger sind bisher meist nicht dafür ausgebildet, Mißhandlungen und Vernachlässigungen bei älteren Menschen zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Über reine Informations und Kompetenzdefizite
  • hinaus ist bei diesen Berufsgruppen mit motivrationalen Hemmungen. zu rechnen, entsprechende Vorfälle zu erkennen und anzusprechen.
  • Es gibt eine starke und seit langem bestehende, auch in der christlichen Tradition begründete gesellschaftliche Norm, ältere Familienmitglieder in besonderem Maße zu respektieren und zu achten, ihnen keinesfalls Gewalt anzutun.
  • Nach dem Grundsatz, dass nicht sein könne, was nicht sein dürfe. hat die Gesellschaft ein Verbot der Thematisierung familiärer Gewalt gegen Ältere verhängt.
  • Gewaltausübende versuchen, ihre vorsätzliche, fahrlässige oder impulsgesteuerten gewaltförmigen Handlungen und Unterlassungen zu verschweigen und zu verschleiern.
  • Gewaltbetroffene sprechen oft aus Angst und aus Scham nicht Über das, was ihnen widerfahren ist.

Strategien zur Problematik „Gewalt gegen ältere Menschen“

  • Hilfegrundsätze können auch aus Prinzipien abgeleitet werden, die in anderen Bereichen innerfamiliärer Gewalt entwickelt wurden bzw. eingesetzt werden. Grundsätzlich ist zu sagen: Nicht die Defizite, sondern die positiven Qualitäten den von Gewalt betroffenen Personen hervorzuheben, eine eventuell Vorhandene Isolation des Opfers aufzuheben, andere für den speziellen Fall relevante psychische Störungen zu behandeln. Im angemessenen Rahmen die ökonomische Unabhängigkeit zu erzielen. Das Selbstbewußtsein des Opfers zu stärken.
  • Achtung vor der Autonomie älterer Menschen. Das heißt Ältere sollten soweit als möglich an Entscheidungen teil haben
  • Möglichst geringe Eingriffstiefe der Maßnahmen. Das könnte z.b. heißen eine Übersiedlung in eine vollstationäre Einrichtung zu vermeiden oder zu „erschieben.
  • Vorrang der primären vor der sekundären und tertiären Prävention.
  • Wie in allen gesellschaftlichen Problemfeldern gilt auch hier, dass vorbeugende Maßnahmen besser sind als solche, die erst zum Einsatz kommen, wenn der Schaden bereits eingetreten ist. Interventionen sollen  soweit die Betroffenen damit einverstanden sind  so früh wie möglich im Verlauf der Problemerkennung ansetzen.  An primäre Mißhandlungs- und Vernachlässigungsprävention ist vor allem im Bereich der Pflege und Betreuung pflege und hilfsbedürftiger älterer Menschen zu denken. Alle Maßnahmen, welche die materiellen Rahmenbedingungen familiärer und professioneller Pflege verbessern, haben zumindest potentiell auch präventive Effekte im Hinblick auf Vernachlässigung und Mißhandlung in der häuslichen Pflege.
  • Orientierung an positiven Zielsetzungen Gewaltbekämpfung und Gewaltkontrolle sind im sofern negative Zielformulierungen als es nur darum zu gehen scheint, etwas das als Gewalt bezeichnet wird  zum Verschwinden zu bringen oder zumindest zu verkleinern. Gewaltpräventive. Arbeit sollte stets auch positive und positiv formulierte Zielsetzung verfolgen; dazu gehören vor allem die Förderung von Lebensqualität“ von Selbstbestimmung sowie von positiven Sozialbeziehungen.

Folgende Handlungs und Hilfeansätze haben sich bewährt:

  • Integration von Hilfeangebote in lokal vorhandene Strukturen (Hausarzt, Heim Leitung und  Beirat, kommunale Behörden, Pflegekassen., Tages und/oder Nachtpflegeeinrichtungen, Selbsthilfe Gesprächsgruppen und viele andere),. Ableitend aus diesen Angeboten, lassen sich Arbeitsgemeinschaften entwickeln wie „Gewalt im Alter“’ „Telefonische Beratung im Alter“’ also sogenannte Projekte zur Verhinderung oder Beseitigung der Gewalt gegen ältere Menschen.
  • Einbindung von Multiplikatoren in die Projektarbeit
  • Kleinräumiger, dezentraler Bezug

Zusammenfassung:

Vier Wege der Prävention und Intervention:

  1. Information, Aufklärung, Sensibilisierung und Schulung
  2. Gewaltprävention und Gewaltintervention auf dem Wege Beratung, Hilfe und Unterstützung
  3. Der klassische Weg ist der straf und ordnungsrechtliche Weg, der Kontrolle, Abschreckung und Ahndung von Gewalt
  4. Auf der makrosozialen Ebene  Mitgestaltung von Gesetzgebung und politische Entscheidung betreiben. (Dieser Weg geht nur über die Landesseniorenvertretung und/oder Einschalten der Mandatsträger in Kommune und Landkreis).

Präventive Wirkungen sind u.a. von folgenden Maßnahmen zu erwarten:

  • Förderung der Gesundheit und Selbstständigkeit älterer Menschen durch adäquate medizinische Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation, professionelle Unterstützung bei lebenspraktischen Aufgaben, organisierte oder nichtorganisierte Nachbarschaftshilfe etc.; Vermittlung von Kenntnissen über eigene Krankheitsbilder und angemessene pflegerische Maßnahmen.
  • Schaffung von Beratungseinrichtungen für Ältere, die neben anderen altersrelevanten Themen auch die Problematik von Mißhandlungen und Vernachlässigungserfahrungen im Alter aktiv aufgreifen.
  • Öffentlichkeitsarbeit zur Schärfung der Sensibilität alter Menschen für eigene Gewalterfahrung Förderung von Interessenvertretungen.
  • Unterstützung alter Menschen bei der Trennung von mißhandelnden Personen.
  • Beratung pflegender Angehöriger.
  • Frühzeitige Integration der Familie in Lebens und Pflegeplanungen alternder Menschen mit dem Ziel, Entscheidungen für oder gegen Übernahme familiärer Pflege verantwortlich zu treffen. Angehörige darin bestärken, eine aus Einsicht in die eigene Überforderung resultierende Ablehnung der Übernahme familiärer Pflege nicht als Schwäche, Scheitern, Pflichtverletzung oder Verweigerung von Zuwendung, sondern als verantwortliche Entscheidung zu verstehen. Förderung von Beratung im Vorfeld des Eingehens einer häuslichen bzw. familiären Pflegebeziehung. leisten.
  • Verbesserte Aufsicht und Qualitätskontrolle im Bereich ambulanter Pflegedienste.
  • Ausweitung . der Leistung der Pflegeversicherung_ im Hinblick auf den besonderen Betreuungsbedarf dementiell erkrankter Personen.

Öffentlichkeitsarbeit LSV  September 2003

Strategien zu Diskriminierung im Alter

  • Kontinuierlicher Aufbau
    Fortschreibungsfähige Gestaltung Beispiele und Fachleute heranziehen. E s darf nicht in eine Sackgasse münden.
  • Mitarbeit der Seniorenbeiräte einfordern.
    Diskussionsunterlagen zur Verfügung stellen Wir müssen wissen von was wir reden. Fakten darstellen und inhaltlich belegen. Schlagworte sind zu wenig.
  • Zusammenarbeit mit anderen Institutionen Ministerium, Kirchen, Politik, Verbände anstreben. Darstellung unsere Probleme. Gespräche am runden Tisch. Hierbei Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit ausgrenzen.
  • Presse Rundfunk Fernsehen zeitig mit einbinden
    Nicht nur über Diskriminierung und Benachteiligungen der alten Wenschen sprechen, sondern die gesamte Problematik der Altenarbeit sensibilisieren.
  • Veranstaltungen, Podiumsgespräche, Podiumsdiskussionen mit fach- und entscheidungskompetenten Personen  Sind besser als sich langhinziehende Monologe. Es bleibt mehr „hängen“
  • Plakate, Handzettel
    Kosten und arbeitsaufwendig. Ist nicht nur Werbung im klassischem Sinn, sondern in erster Linie Hinweis und Aelärung. Über die zu erwartende Wirkung sollte vorher beraten werden. Plakate schwerpunktmässig einsetzen
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch zeitlich unbegrenzte Aktionen auf gleichem Niveau. Das heisst nicht mit einem Paukenschlag beginnen und dann kommt nicht mehr viel Steter Tropfen .....
  • Wiedererkennungsmerkmale verwenden. Aufmachung. Logo
    Hier ist die Kreativität von allen eingefordert. Vielleicht kann ein Fachmannfrau behilflich sein.
  • Nur nachprüfbare stichhaltige Fakten verwenden.
    Versteht sich eigentlich von selbst. Wenn man zurückrudern muß ist der beabsichtigte Effekt schnell ins Gegenteil verkehrt.
  • Die große Linie muß am Anfang vorhanden sein. Grosse Veränderungen darf es nicht geben. Andere Konzepte verwenden ist zu vermeiden Das bedeutet Verantwortung vom ersten bis zum letzten Federstrich. Wie beim Schach. Die Auswirkungen eines Zuges müssen genau durchleuchtet werden. Zu viele Veränderungen verunsichern und verwässern die Sache.
  • Kein Sendungsbewußtsein entwickeln. Es erzeugt Emotionen auf der anderen Seite.
    Wir sind nicht allein auf dieser Welt. Auf der „ Lobbyistenwiese „ tummeln sich noch andere Sachlich, verbindlich aber auch mit Nachdruck die eigene Sache vertreten.
  • Durch Gespräche, auch im kleinem Kreise, sollte jeder auf die Situation aufmerksam gemacht werden. Dies ist eigentlich Sache jedes Einzelnen, wie er die Kampagne unterstützt.

Durchführung

Ist Aufgabe der Landesseniorenvertretung Ausschüsse sind nur beratend tätig. Es könnein jedoch auch Ad hoc zu einem Thema kleinere Arbeitskreise gebildet werden denen mit Zustimmung der LSV die Federführung ganz oder in Teilbereichen übertragen werden kann. Die endgültige Entscheidung, unter anderem der Einsatz finanzieller Mittel, verbleibt beim Vorstand der Landesseniorenvertretung.

Im September 2003

Emil Büffor

 

“Leise”

Grad so müßt ihr was vollbringen
Die gelinde Macht ist groß
Wurzelfasern wie sie, dringen,
sprengen wohl die Felsen los.

J.-W. von Goethe

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